Zum 100. Geburtstag
Susanne Bock
öge-Ehrenmitglied

Die öge gratuliert Dr.in Susanne Bock, Ehrenmitglied und aktives Mitglied der Frauen-AG, herzlich zum 100. Geburtstag!

Dr.in Susanne Bock feiert am 13. Mai ihren 100. Geburtstag, und als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung ist es mir ein ganz besonderes Anliegen, ihr im Namen des gesamten Vorstands die herzlichsten Glückwünsche zu übermitteln. Susanne Bock ist seit 2011 Ehrenmitglied unserer Vereinigung. Wir hatten uns alle auf eine gemeinsame Feier gefreut und die Vorbereitungen dazu waren bereits im Gange, als wir aufgrund der Corona-Krise entscheiden mussten, die Feier abzusagen. Die Notwendigkeit, physischen Abstand zu halten, sich in Distanz zueinander bewegen zu müssen, bedeutet zugleich, einander auf andere Art und Weise begegnen zu können. Bei all dem Befremdlichen der Situation existiert ein Potential, sich (neu) zu verbinden: mit Menschen, Erinnerungen, Orten, den dazugehörigen Geschichten. Susanne Bock hat sich seit vielen Jahren der Geschichten von Frauen angenommen: unbekannten und oftmals unsichtbar gemachten Frauen im Exil. Sie hat sich als deren Sprachrohr verstanden und auch auf diese Weise bleibende Verdienste für die österreichische Exilforschung erworben. Für dieses Engagement gebührt ihr unsere Anerkennung, unser Dank: Was für ein großartige Bereicherung, dass sich Susanne Bock in die Tätigkeiten der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung heute und auch weiterhin aktiv einbringt! Wir freuen uns auf Momente realen Wiedersehens und Feierns.

Christoph Reinprecht
Oktober 2018, Foto: Johannes Stern
Oktober 2018
Foto: Johannes Stern

Susanne Bock wurde am 13. Mai 1920 in Wien in ein assimiliertes jüdisches Elternhaus geboren. In ihrer Jugend war sie Mitglied der sozialistischen Jugendorganisation „Rote Falken“ und leistete aktiv Widerstand gegen das austrofaschistische Regime. Sie erlebte den „Anschluss“ Österreichs an Nazideutschland mit und floh nach England, wo sie unter anderem als Krankenschwester tätig war. Nach dem Krieg kehrte sie nach Wien zurück und arbeitete als Lektorin bei der britischen Nachrichtenagentur und als Geschäftsführerin eines Fliesenlegerbetriebs. 1993 promovierte Susanne Bock an der Universität Wien in den Fächern Angewandte Linguistik und Anglistik.
Sie ist Autorin mehrerer Bücher und engagiert sich bis zum heutigen Tag aktiv gegen das Vergessen. Auf vielfältige Weise teilt sie ihre Erinnerungen und ihr Wissen als Zeitzeugin mit jüngeren Generationen.

Seit der Gründung der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung bringt Susanne Bock sich aktiv in die Gestaltung der Vereinstätigkeiten ein.

Susanne Bock habe ich 2002 anlässlich der Gründungsversammlung der ÖGE in Wien kennengelernt. Zum gleichen Zeitpunkt hat Siglinde Bolbecher auch die Gründung einer Frauenarbeitsgemeinschaft angeregt. Susanne Bock ist mir damals durch ihre vehemente Forderung aufgefallen, das Exil auch all jener Frauen zu beleuchten, die nicht berühmt geworden sind, aber durch ihren Mut und ihr Engagement wesentlich das Exil geprägt haben. Der Gedanke, all jenen unbekannten und ungenannten Exiliantinnen einen Platz in der Exilforschung zu geben, hat mich überhaupt erst bewogen, mich der Frauen Arbeitsgemeinschaft der ÖGE anzuschließen.

Ursula Stern

Das Bestreben, die unsichtbaren, unbekannten Vertriebenen sichtbar zu machen, schlägt sich auch in den Publikationen Susanne Bocks nieder.

Publikationen Susanne Bocks

Ich widme diese Aufzeichnungen all jenen, die durch den „Anschluß“ Österreichs an das Deutsche Reich im Jahre 1938 aus Österreich vertrieben wurden, die weder vor der Vertreibung berühmt, prominent, reich oder besonders begabt waren und um die sich daher nach dem 2. Weltkrieg kaum irgend jemand besonders gekümmert hat, eben weil sie auch dann weder besonders berühmt, erfolgreich oder sonst bemerkenswert geworden waren. Sie wurden nach Ende des Krieges nicht bevorzugt, ja nicht einmal gut behandelt, ihren Nöten begegnete man mit Unverständnis, sie wurden ignoriert oder ins Lächerliche gezogen. Weder wurden sie Ehrenbürger, noch verlieh man ihnen Orden, Medaillen oder Ehrendoktorate. Warum denn auch? Bei ihnen, diesen unbedeutenden, wenig bemerkenswerten Menschen, war es unnötig auch nur zu bedauern, daß sie Österreich verloren gegangen waren.
Und dennoch sind diese unbedeutenden Figuren es wohl wert, ans Licht geholt zu werden.

Aus der Einleitung von „Mit dem Koffer in der Hand“ (1999), Susanne Bock

31. Mai 2017, Lesung Susanne Bock im Café Kreuzberg
Foto: Ursula Stern

Seit Oktober 2011 ist Susanne Bock Ehrenmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung.

Oktober 2011, während der Ehrung
Foto: Johannes Stern

Die gemeinsame Verleihung der Ehrenmitgliedschaft von Susanne Bock und Hannah Fischer fand in der Residenz der Britischen Botschaft in Wien statt.

Anfang Oktober wurde ich, im Rahmen einer wunderschönen Veranstaltung im Rahmen der Britischen Botschaft, zum Ehrenmitglied unserer Organisation erklärt. In meiner kurzen Ansprache habe ich unter anderem gesagt:
„I consider myself a ‚founding member‘ and have, during the years of working together, made not only acquaintances, but also made some real good friends!“
Die Veranstaltung war sehr eindrucksvoll und für mich, der derlei noch nie widerfahren ist, sehr berührend!
Ich danke allen, die mitgeholfen haben, für ihre Bemühungen!

Susanne Bock, Dankschreiben

Video der Ehrung: © Clara Stern

Titelfoto: November 2014, © Johannes Stern

Publikationen von Susanne Bock:

MIT DEM KOFFER IN DER HAND. Leben in den Wirren der Zeit 1920-1946. Wien: Passagen, 1999.

HEIMGEKEHRT UND FREMDGEBLIEBEN. Eine alltägliche Geschichte aus Wien 1946 bis 1954. Strasshof: Vier-Viertel-Verlag, 2003.

PETER SPRANG UND PJOTR ÜBERLEBTE: Geschichte einer Integration. Wien: Morawa, 2017.

Weiterführende Links:

Österreichische Pension für jüdische Vertriebene; Zeitzeugin Dr.in Susanne Bock: Link

Rede zur Befreiung von Auschwitz, 27.1.2020, Heldenplatz, Wien: Link

Vorstellung Susanne Bock auf kunstplatz.info: Link

Israelitische Kultusgemeinde Wien, Erzählen über Exil, Integration und Rückkehr: Link

Rottuchverleihung Susanne Bock: Link